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Wissenschaft auf AEG: Darknet, Bitcoins und Underground Economy – Strafverfolgung versus Recht auf Anonymität

Am 08.05. sprachen Professor Safferling (ICLU) und Professor Freiling (IT-Sicherheitsinfrastrukturen) in der Reihe „Wissenschaft auf AEG“. Thema war diesmal „Darknet, Bitcoins und Underground Economy – Strafverfolgung versus Recht auf Anonymität“. Die Einführung und Moderation im vollbesetzten Saal auf dem Energiecampus Nürnberg übernahmen Stephan Sohr (Chefredakteur der Nürnberger Zeitung) und Blandina Mangelkramer (Leiterin des Referats Kommunikation und Marketing der FAU).

Professor Safferling und Professor Freiling hatten sich zum Ziel gesetzt, die „dunkle Seite des Internets“ für die Zuhörer etwas zu erhellen und die „bösen“ virtuellen Kryptowährungen (Bitcoin, Monero, Ethereum, ZCash etc.) zu entmystifizieren. Zu diesem Zweck führte Professor Freiling als IT-Experte laiengerecht in die hinter dem sogenannten Darknet und der virtuellen Kryptowährung „Bitcoin“ stehende Technologie ein. Er erklärte, dass das „Darknet“ letztlich nichts anderes ist, als die „Umleitung“ des Internetverkehrs über mehrere Zwischenstationen, um eine Identifizierung der IP-Adresse und damit des Standorts des Internetnutzers zu erschweren. Wolle auch der Diensteanbieter im Internet anonym bleiben, müssten Anbieter und Nutzer sogenannten Hidden Services benutzen, bei denen auch die IP-Adresse des Diensteanbieters verschleiert werde. Das Konzept hinter Bitcoin nutze kryptografische Prinzipien, um „Kontoverwaltung“ und Wertübertragungen in einem Währungssystem ohne Banken als verwaltende Instanz zu ermöglichen. Beides sei auch völlig legal und – genau wie andere Aktivitäten unter Nutzung des Internets – sogar grundrechtlich geschützt, erklärte Professor Safferling. Für den Schutz des individuellen Freiheitsraums – besonders der Meinungs- und Pressefreiheit in Diktaturen – seien beide Technologien sogar ein Segen.

Natürlich nutzten aber auch Kriminelle die neuen Internettechnologien für ihre Zwecke, wie die beiden Cybercrime-Experten ausführten. Um ihnen auf die Schliche zu kommen, bedürfe es des kreativen Einsatzes von Ermittlungstechnologien und kriminalistischen Methoden. Aus juristischer Sicht sei dabei stets zu prüfen, ob für das Vorgehen eine Rechtsgrundlage vorhanden sei. Gerade im sich schnell entwickelnden Bereich der Cyber-Ermittlungen sei dies – nicht zuletzt wegen des langsamen Gesetzgebungsverfahrens – nicht immer der Fall. Dann dürften die neuen Methoden jedoch auch nicht eingesetzt werden.

Insgesamt verließen die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer den neuen Campus auf dem AEG-Gelände mit neuem oder zumindest vertieftem Wissen über die technischen Grundlagen und die juristischen Fragestellungen rund um „die dunkle(re) Seite des Internets“.

Einen ausführlichen Beitrag der Nürnberger Nachrichten zu dem Vortrag finden Sie hier.

 

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